Was die ersten Spieltage zeigen – und was nicht
Auf der Metrik-Seite stehen Trefferquoten, Kalibrierungswerte und ein Modell-Index. Es liegt nahe, daraus eine Rangliste zu lesen. Dieser Artikel erklärt, warum das zum jetzigen Zeitpunkt in die Irre führt – und was sich trotzdem sagen lässt.
Der Stand zum 24. September 2026
Ein Blick auf die Bundesliga-Auswertung, als Momentaufnahme. Die aktuellen Werte stehen jederzeit auf der Metrik-Seite – sie ändern sich mit jedem Spieltag.
| Teilnehmer | Prognosen | Volltreffer | Tendenz getroffen |
|---|---|---|---|
| xAI Grok | 9 | 0 | 56 % |
| OpenAI GPT-4o | 9 | 0 | 44 % |
| Google Gemini | 9 | 0 | 44 % |
| Anthropic Claude | 3 | 0 | 33 % |
| Faustregel (ohne Analyse) | 9 | 1 | 33 % |
Warum diese Zahlen nichts beweisen
Neun Prognosen sind ein einziger Spieltag. Bei dieser Menge entscheidet ein einzelnes Spiel über elf Prozentpunkte in der Trefferquote. Der Abstand zwischen dem vermeintlich besten und dem vermeintlich schlechtesten Modell beträgt hier zwei richtig getippte Partien.
Anders gesagt: Hätte in einem einzigen Spiel ein Ball statt an den Pfosten ins Tor gefunden, sähe die Reihenfolge anders aus. Was die Tabelle abbildet, ist zum größten Teil Zufall – nicht Modellqualität.
Ab wann es belastbar wird
Eine belastbare Aussage über den Unterschied zwischen zwei Modellen braucht deutlich mehr Datenpunkte. Als grobe Orientierung:
| Anzahl Prognosen je Modell | Was sich sagen lässt |
|---|---|
| unter 20 | nichts – reines Rauschen |
| 20 bis 50 | grobe Tendenzen, keine Rangfolge |
| ab etwa 100 | erste belastbare Vergleiche |
| eine volle Saison | aussagekräftig für diese Saison und diese Liga |
Bei neun Spielen je Spieltag entspricht die Marke von rund hundert Prognosen etwa dem zwölften Spieltag. Bis dahin sind alle Modellvergleiche auf dieser Seite mit Vorsicht zu lesen.
Warum Claude weniger Prognosen hat
In der Tabelle fällt auf, dass ein Modell deutlich weniger Prognosen aufweist als die anderen. Der Grund ist technisch: Nicht jede Anfrage an einen externen Anbieter gelingt – es gibt Zeitüberschreitungen, Auslastungsgrenzen und Ausfälle.
Fehlende Prognosen werden nicht nachträglich erzeugt. Eine Prognose, die nach dem Anpfiff entstünde, wäre wertlos. Stattdessen bleibt die Lücke sichtbar, und die Zahl der abgegebenen Tipps steht in der Tabelle – damit erkennbar bleibt, auf welcher Grundlage ein Wert beruht.
Was trotzdem auffällt
Zwei Beobachtungen sind bemerkenswert, auch wenn sie noch keine Belege sind.
Erstens: Kein Modell hat bisher ein exaktes Ergebnis getroffen – die Faustregel dagegen schon. Das ist weniger überraschend, als es klingt. Die Regel tippt immer 1:0, und das ist eines der häufigsten Fußballergebnisse überhaupt. Ein Volltreffer der Faustregel ist Häufigkeitsverteilung, keine Weitsicht.
Zweitens: Die Faustregel liegt bei der Tendenz nicht hinter allen Modellen. Das ist genau die Information, für die sie gedacht ist – sie zeigt, wie viel die Analyse der Modelle gegenüber dem bloßen Blick auf die Tabelle tatsächlich beiträgt. Bislang: nicht viel.
Warum diese Zahlen trotzdem öffentlich stehen
Es wäre einfacher, die Auswertung erst zu zeigen, wenn sie schmeichelhaft ausfällt. Genau das machen Prognoseangebote üblicherweise – sie zeigen Treffer und verschweigen den Rest.
Hier stehen die Zahlen von Anfang an da, samt Vergleich mit einer Regel, die keinerlei Intelligenz benötigt. Wenn die Modelle im Saisonverlauf besser abschneiden, ist das ein belegter Fortschritt. Wenn nicht, ist auch das ein Ergebnis – und zwar das interessantere.
Was Sie tun können
Schauen Sie sich die Metrik-Seite im Saisonverlauf mehrfach an. Interessant ist nicht der Stand an einem Tag, sondern die Entwicklung: ob ein Modell dauerhaft besser kalibriert ist, ob der Abstand zur Faustregel wächst, ob die Begründungen im Schnitt tragfähiger werden.
Eine Momentaufnahme nach einem Spieltag sagt darüber nichts. Eine Kurve über zwanzig Spieltage schon.
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Prognosen stellen keine Wettberatung dar. Glücksspiel kann süchtig machen.